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Deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt gegen Ungarn, 21. Januar 1934

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt in einem im Waldstadion in Frankfurt am Main ausgetragenen Länderspiel gegen Ungarn mit 3:1.

Politische Instrumentalisierung zur positiven Außendarstellung des Deutschen Reichs

Im Vorfeld des Spiels hatte der nationalsozialistische Frankfurter Oberbürgermeister Friedrich Krebs (1894–1961) die „planvolle und reibungslose Durchführung dieses so bedeutsamen Ländertreffens“. Hinter dieser Aussage steht die Absicht, mit dem Freundschaftsspiel gegen die ungarische National-Auswahl einen Beitrag zur positiven Wahrnehmung des NS-Staates im Ausland zu leisten. Ein vermutlich vom Frankfurter Sportamt für den Oberbürgermeister erarbeitetes Positionspapier hebt hervor, dass das Zusammentreffen beider Fußballmannschaften einerseits „sportliche Bedeutung“ besitze, zugleich aber auch eine „politische Mission“ zu erfüllen habe. Die Instrumentalisierung sportlicher Begegnungen dieser Art habe der „Führer anlässlich der Vorbereitungen der Olympischen Spiele in Berlin in den Vordergrund gestellt“ und sei vom Reichssportführer „eindringlich betont“ worden. Das Papier resümiert den Zweck des Länderspiels dementsprechend wie folgt: „Das Ausland betrachtet uns an sich mit Misstrauen dank der Lügen und Greuelpropaganda. Unsere Fußballgäste werden dazu beitragen müssen, über das neue Deutschland und den neuen Geist, der das Leben des deutschen Menschen heute beherrscht, die Wahrheit zu verbreiten.“1

Die deutsche Auswahl

Zu der von Trainer Otto Nerz (1892–1949; erster Reichstrainer des Deutschen Fußball-Bundes) geführten deutschen Auswahl gehören der in Frankfurt geborene Torhüter Willibald Kreß (1906–1989), der für die Frankfurter Eintracht spielende Hans Stubb (1906–1973), der bei der Partie ein rekordmäßiges Tor aus 60 Meter Entfernung erzielt, Ludwig „Lutte“ Goldbrunner (1908–1981) vom FC Bayern, Sigmund Haringer (1908–1975), ebenfalls vom FC Bayern, Richard „Tipfi“ Oehm (1909–1975) vom 1. FC Nürnberg, Ludwig Lachner (1910–2003) von der Eintracht Braunschweig, Rudi Gramlich (1908–1988) von der Frankfurter Eintracht, Ernst Lehner (1912–1986) vom TSV Schwaben Augsburg, Karl Politz (1903–1987), der mit der Teilnahme an dem heutigen Freundschaftsspiel das einzige Länderspiel seiner Karriere bestreitet, Rudolf „Rudi“ Noack (geb. 1913, wahrscheinlich 1947 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft gestorben) vom Hamburger SV, Edmund Conen (1914–1990) vom FV Saarbrücken und als Reservespieler Max Schäfer (1907–1990) von 1860 München.
(OV/KU)


  1. Zitiert nach Nils Havemann, Fußball unterm Hakenkreuz, Frankfurt am Main u.a. 2005, S. 145.
Belege
Weiterführende Informationen
Hebis-Schlagwort
Deutscher Fußball-Bund; Drittes Reich; Geschichte 1933-1945
Empfohlene Zitierweise
„Deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt gegen Ungarn, 21. Januar 1934“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/2434> (Stand: 20.2.2021)
Ereignisse im Dezember 1933 | Januar 1934 | Februar 1934
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