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4522 Hofgeismar
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KDR 100, TK25 1900 ff.
Urkataster+
Hofgeismar
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 9. Hofgeismar

Weitere Informationen

Hofgeismar

Stadtteil · 156 m über NN
Gemeinde Hofgeismar, Landkreis Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

21,5 km nordwestlich von Kassel

Lage und Verkehrslage:

Komplexe Stadt mit regelhaften Grundrissmerkmalen an den Westausläufern des Reinhardswaldes im Tal der Esse, die nördlich von Hofgeismar in die Diemel mündet. Nahezu halbkreisrunder Altstadtkern mit Kirche im Westen, Rathaus und zwei dicht beieinanderliegenden Marktplätzen in zentraler Lage. Die Altstadt wird durch eine Nord-Süd-Achse in zwei Hälften geteilt. Das Straßensystem um die Altstadtkirche unregelmäßig, die Entwicklung vom Rathaus aus trapezförmig mit planmäßig rechtwinklig angelegten Straßenquartieren nach Norden und Osten. Neustadt im Südosten mit Marienkirche und Töpfermarkt über die Nord-Süd-Achse verbunden. Im Nordosten führt die Achse in die Petristadt. Eine Ost-West-Achse verbindet den Töpfermarkt mit dem Gesundbrunnen im Osten. Moderne, regelhafte Wohnsiedlungsplätze rund um die Stadt.

Chaussee nach Bad Karlshafen und Wilhelmsthal (Höfe). Die Bundesstraße 83 als wichtigste Verkehrsanbindung der Stadt verläuft im Osten. Des Weiteren führen die Landesstraßen L3212, L3213 und L3229 durch die Stadt.

Auch die etwa parallel verlaufende Bundesbahnlinie Kassel - Bad Karlshafen (ab 1986 ab Hümme bis Karlshafen stillgelegt) hat mit dem dortigen Bahnhof dieser Eisenbahnlinie Bad Karlshafen – Kassel (ehem. Carlsbahn; Diemeltalbahn II) (Inbetriebnahme der Strecke 30.3.1848) eine entscheidende verkehrstechnische Bedeutung.

Ersterwähnung:

1082

Siedlungsentwicklung:

1989-91 wurden jungsteinzeitliche Siedlungsfunde im Bereich des Gesundbrunnens gemacht.

Die älteren Siedlungsplätze Aschendorf, Gauze, Nordgeismar, Sudheim und Westheim werden in Verbindung mit der Stadtwerdung von Hofgeimar aufgelassen.

Neustadt im Süden der Altstadt vor 1234 angelegt. Mit der Neustadt war später eine französische Gemeinde verbunden, die von 1686-1822 bestand. Peterstadt vor 1330 entstanden. Stadtmauer mit halbrunden Schalentürmen vier Stadttore, das Sälbertor im Westen und das Kasseler Tor im Süden, Schöneberger Tor im Norden und Mühlentor im Osten. Gesundbrunnen seit 1701 ausgebaut. Nach Eröffnung der Bahn führt die Verlängerung der Mühlenstraße als Bahnhofsstraße zum Bahnhof im Osten. Im Süden ehemalige Kavallerie Kaserne 1841 eröffnet, späterer Bundeswehrstandort 1993 aufgegeben

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Bei den frühen Belegen ohne Bestimmungsteil gibt es in der Literatur Verwechslungen mit Geismar bei Göttingen (vgl. den entsprechenden Artikel in: Ortsnamen Kreis Göttingen, S. 149-152) und Geismar bei Fritzlar

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • curtis (1082)
  • in domo nostra (1155)
  • nova civitas (1234)
  • oppidum (1240)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1870-1882

Älteste Gemarkungskarte:

1755

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3526595, 5706729
UTM: 32 U 526511 5704886
WGS84: 51.494496° N, 9.381883° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

633013040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 3801, davon 2567 Acker (= 67.53 %), 301 Wiesen (= 7.92 %), 505 Holzungen (= 13.29 %)
  • Gutsbezirk Oberförsterei: 2590, davon 1 Ackerland (= 0,04 %), 1 Wiesen (= 0,04 %), 2551 Holzungen (= 98,5 %)
  • 1961 (Hektar): 3483, davon 1100 Wald (= 31.58 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 535 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
  • 1747: 440 Haushaltungen (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
  • 1885: 4341, davon 3903 evangelisch (= 89.91 %), 252 katholisch (= 5.81 %), 8 andere Christen (= 0.18 %), 178 Juden (= 4.10 %)
  • 1961: 8245, davon 6417 evangelisch (= 77.83 %), 1556 katholisch (= 18.87 %)
  • 1970: 8672
  • 1783: 14 Kaufleute, 17 Bäcker und 4 Heimbäcker, 9 Metzger, 9 Schmiede, 30 Schuhmacher, 21 Leinweber, darunter 2 Bildwirker, 5 Lohgerber, 12 Schneider, 10 Schreiner, 16 Branntweinbrenner und ebensoviele Wirte

Diagramme:

Hofgeismar: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1248/49: Mainzisches Vizedomamt Rusteberg
  • Um 1300: Mainzisches Amt Hofgeismar-Schöneberg (zu Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1303: Erzstift Mainz, Amt und Gericht Hofgeismar (Pfandverschreibung an den Grafen von Waldeck)
  • 1462: Landgrafschaft Hessen, Amt Hofgeismar-Schöneberg
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Grebenstein
  • 1614: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Hofgeismar
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Hofgeismar
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Hofgeismar
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Hofgeismar
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Hofgeismar
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hofgeismar
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel

Altkreis:

Hofgeismar

Gericht:

  • 1384 wurde mit dem Gaugericht zu Hofgeismar das von Calden vereinigt (Wenck 3 ÜB 269).
  • 1821: Justizamt Hofgeismar
  • 1822: Justizamt Hofgeismar
  • 1867: Amtsgericht Hofgeismar
  • 1879: Amtsgericht Hofgeismar
  • 1968: Amtsgericht Hofgeismar

Herrschaft:

1082 kommt ein mainzischer Hof an das Kloster Hasungen. 1155 besitzt der Erzbischof das "Haus" Geismar (in domo nostra), das noch 1544 als Fronhof erwähnt wird. Vor 1187 eignet sich Ludolf I. von Dassel einen Hof in Hofgeismar an, den Erzbischof Konrad I. von Mainz um 1190 von ihm für 200 Mark zurückerwirbt. 1244 befreit der Mainzer Erzbischof Siegfried die in seiner Diözese liegenden und von der Mainzer Kirche abhängigen Besitzungen und Güter (possessiones et bona) des Klosters Hardehausen, u.a. in Geismar, von allen Diensten und Abgaben.

Seit der Mitte des 13. Jarhhunderts häufige Verpfändung der nutzbaren Rechte, so u.a. 1248/49 nach der Mainzer Heberolle an den Bischof von Paderborn. 1303 verpfändet Mainz die Vogtei, die zum Komplex der Gerichte um Hofgeismar gerechnet wird, dem Grafen von Waldeck, 1343 an den Bischof von Paderborn. 1401 und 1425 wird Hofgeismar von den Landgrafen belagert und zerstört, 1462 Verpfändung an Hessen, 1583 endgültig abgetreten.

Die Stadt Hofgeismar nimmt 1294, 1343, 1358 und 1393/1405 an Landfriedenseinungen teil und ist 1393 und 1405 Sitz eines Friedensgerichts. Sie ist in fünf Burschaften gegliedert.

1210: advocatus, iudicium secularis; 1223: Schöffen (scabini Geismarienses) [Codex diplomaticus sive anecdotorum 1, Nr. 183, S. 483-484]

1234 ist die Rede von einer nova civitatis, es werden cives geismarienses und ein Stadtsiegel erwähnt. Vertreter des Mainzer Erzbischofs als Stadtherrn ist der villicus Geismariensis [Falckenheiner, Geschichte hessischer Städte und Stifter, Band 2: Hofgeismar, Urkundenbuch Nr. 2]. Der Schultheiß wird vom Amtmann auf Burg Schöneberg vorgeschlagen, vom Stadtrat gewählt und dann vom Stadtherrn bestallt. Seit Philipp dem Großmütigen direkte Einsetzung eines Rentmeisters durch den Landesherrn.

1292: consules, selten als scabini bezeichnet, anfangs 12, dann 13 Personen, die nicht nur dem Schultheißen bei Gericht zur Seite sitzen, sondern auch den Stadtrat bilden. Ihnen sitzt der Prokonsul vor. Bis zum 16. Jahrhundert Selbstergänzung des Rates, um 1550 freie Ratswahl auf drei Vorschläge des Rates an den Landgrafen beschränkt.

1350: proconsul, consules, universitatis civium in Geysmaria, sigillum nostrum communitas (Urkunden Kloster Hardehausen, S. 545, Nr. 753)

Einteilung der Stadt in fünf Verwaltungsbezirke (Burschaften): Alt- und Neustadt mit je einer Nieder- und Oberburschaft, Peterstadt

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 erfolgt im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinden Beberbeck, Carlsdorf, Friedrichsdorf, Hombressen, Hümme und Schöneberg in die Stadt Hofgeismar. Zur deren weiterer Entwicklung s. Hofgeismar, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hofgeismar.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Kloster Lippoldsberg hat in und um Hofgeismar ausgedehnten Besitz. 1283 vermacht ein Hofgeismarer Bürger dem Kloster sein Haus und seine Güter. In der Folge kommt weiter Besitz hinzu. Nach der Einführung fällt der Besitz an die Landgrafschaft Hessen.
  • Das Kloster Hardehausen hat seit der Mitte des 13. Jahrhunderts Besitz in Hofgeismar, seit 1280 nachweislich auch einen Stadthof. Im 14. Jahrhundert kann der Besitzstand erweitert werden und umfasst 1370/76 aus dem Stadthof, zwei Häusern und mehreren Gärten zusammen. Nach und nach wurden die innerstädtischen Güter veräußert, bis schließlich 1574 der restliche Besitz mit mehr als 400 Morgen Land an die Stadt verkauft wird.

Zehntverhältnisse:

Um 1380 gehört der Zehnte auf der Steingrube den Lippoldsberger Nonnen

Ortsadel:

1146 und 1151

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Hofgeismar, Kollegiatststift (1398-1535)
  • Hofgeismar, Kollegiatststift (vor 1138-1312/1328)
  • Drei Pfarrkirchen:
  • a) Liebfrauenkirche (ehemalige Stiftskirche) in der Altstadt: Gestiftet zwischen 1082 und 1143, falls nicht frühere Stiftung. Dreischiffige Hallenkirche mit Westturm und polygonalem Chor
  • b) S. Marie in der Neustadt (sacerdos 1250), spätgotische dreischiffige Hallenkirche mit Westturm und eingezogenem Chor
  • c) S. Peter in der Peterstadt im Nordosten (Vikar 1290), Kirche 1407 genannt bis 1530 belegt. Gleichnamige Katholische Pfarrkirche 1897/98 vor dem Kasseler Tor errichtet. Neugotischer Saalbau mit Querhaus und kurzem eingezogenen Chor
  • d) Evangelische Kirche für die Gesundbrunnengemeinde 1895-97 oberhalb des Brunnentempels in neugotisch-neuromanischem Stil errichtet
  • Daneben eine Martinskapelle 1329-1528.

Patrozinien:

  • Maria (1203)
  • Petrus (1290) [Hofgeismar, St. Peter]
  • Maria (1479) [Hofgeismar-Neustadt]

Pfarrzugehörigkeit:

1530 ist die Peterstadt mit der Altstadt verbunden, 1585 gehören die Höfe in Nordgeismar und Bünichheim zu Hofgeismar. Die Prediger wählte die Stadt.

1872: Zwei protestantische Pfarreien der Klasse Hofgeismar, Altstadt mit den Filialen Kelze und Schöneberg und Neustadt mit dem Röddenhofe. Zur Neustadt gehörte von 1686-1822 die französische Gemeinde. 1994 gehört zur Kirchengemeinde Hofgeismar-Altstadt die Kirchengemeinde Kelze als Filialgemeinde, Friedrichsdorf ist eingepfarrt.

1892 wird das Kirchspiel Hofgeismar-Gesundbrunnen bei Gründung des Predigerseminars durch Abtrennung von Hofgeismar-Altstadt errichtet. Die beiden Hugenottengmeinden Carlsdorf und Schöneberg sind Filialgemeinden. So auch noch 1994.

Patronat:

Nach der Verlegung des Stifts ist der Propst Patron, an dessen Stelle Ende des 15. Jahrhunderts der Erzbischof von Mainz tritt., der von 1493 bis 1511 die Pfarrei verlieh. Nach der Reformation ist das Kirchenpatronat landgräflich, 1583 auch das der Neustadt

Klöster:

Diakonische Einrichtung:

14.10.1888 Eröffnung einer Kleinkinderschule; eine Schwester vom Vaterländischen Frauenverein angestellt; Betreuung des Jungfrauenvereins und der Flickschule; eine Schulschwester für die Kleinkinderschule Rudolf Francke, Die christliche Liebestätigkeit in Kurhessen. Kassel 1904; Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S. 292-299; Krankenpflege nennt ein seit 1893 bestehendes Siechenhaus; 1890 Neubau für den Kindergarten; Flick- und Strickschule; Krankenpflege; 1903 Neubau des Siechenhauses oberhalb der Kirche; 16.08.1904 feierliche Einweihung; weiterer Ausbau – um 1910 drei voll besetzte Häuser; 1913 zwei Männerheime, zwei Frauenheime, Diakonissen und Brüder von Hephata als Personal; Fortbestand der Diakoniestation bis 1967 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Als erster evangelischer Pfarrer wirkte um 1527 Johannes Möller an der Altstädter Kirche, an der er zuvor bereits als katholischer Pfarrer tätig war. Der erste evangelische Pfarrer der Neustädter Kirche war Johannes Eckhard von 1529 bis ca. 1562.

1535 wurden in Hofgeismar vier evangelische Pfarrstellen eingerichtet: zwei an der Altstädter Kirche (Liebfrauenkirche), eine an der Neustädter Kirche (Marienkirche) sowie die Stelle eines Schulleiters an der alten Lateinschule.

Die Einführung des reformierten Bekenntnisses erfolgte vermutlich 1607.

1686 trafen die ersten Hugenotten in Hofgeismar ein. Noch im selben Jahr gründeten sie eine französisch-reformierte Gemeinde und wählten David Clément als Pfarrer. Zunächst fanden die Gottesdienste in einer mittelalterlichen Kapelle statt, später in der Neustädter Kirche. 1821 ging die Gemeinde in der deutsch-reformierten auf.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archidiakonat St. Marien zu Hofgeismar.

a) Propstei Hofgeismar:

Mit der Pfarrkirche der Altstadt war eine Propstei verbunden:

Unter dem Propst standen 1464 die Kirchen und Kapellen zu Grebenstein, Schachten, Gauze, Volkmarsen, Haueda, Stammen, Niedermeiser, Hofgeismar. Wettesingen, Witmar, Haidungen, Ludenhausen, Immenhausen, Zwergen, Hohenkirchen, Oberlistingen, Hailmikhusen (?), Gottsbüren, Landau, Elwingen, Niederelsungen, Wormeln, Calden, Breuna, Ehrsten, Fürstenwald, Liebenau, Oberhaldessen. Holzhausen, Suiten, Obermeiser, Niederlistingen, Wülmersen, Niederuffeln, Ostuffeln, Nordgeismar, Wetter, Meimbressen und Hombressen (Falckenheiner 2 UB Nr. 43).

b) Klasse Hofgeismar:

Die protestantische Klasse wurde 1872 erwähnt (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 150).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel

1783: 102 Juden; um 1800: 40 jüdische Familien; 1812: 33 Familien; 1827: 189; 1835: 243; 1861: 219; 1895: 137; 1905: 111; 1932/33: 34 Juden

1470-83 lebte ein Jude vermutlich im Ort, der in der Region Handel trieb.

1616 Ersterwähnung zweier Juden

seit 1807 gleichberechtigte Bürger

Beginn des 19. Jahrhundert Niedergang der Gemeinde.

Die Synagoge lag am Petryplatz 5 - ein Fachwerkbau, im ersten Stock war das Schullokal, im Garten die Mikwa untergebracht. Bereits vor 1933 fanden Gottesdienste nur noch an hohen Feiertagen statt.

Die örtliche Elementarschule bestand von 1867-1908.

Zumeist waren die Juden Kaufleute.

Als Friedhof wurde 1695 ein Grundstück an den Schanzen vor dem Sälber Tor erworben. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

1247 Schule am Chorherrenstift für geistlichen Nachwuchs; 1307 Rektor erwähnt; Schulmeister an der Stiftschule: Conrad Hartmann 1527, zunächst noch katholisch; 1576 städtischer Schullehrer genannt; nach 1648 Neuordnung des Schulwesens; 1718 Stadtschule; 1835 fünf Schulen; 1838 Progymnasium; 1856 Realschule, 1872 Ausbau zur städtischen Höheren Bürgerschule, 1891 Progymnasium, 1922 Realgymnasium, 1923 Reformrealgymnasium, 1938 Oberschule; 1953 Neusprachlich-naturwissenschaftliches Gymnasium

1849 Gründung der Handwerksschule, Ausbau zur städtischen Berufsschule, 1946 Kreisberufsschule; 1889 Ackerbauschule, 1925 Landwirtschaftliche Winterschule

Hospitäler:

1535 Umwandung des Franziskanerklosters in ein Hospital durch Landgraf Philipp

1909 Altersheim der Landesversicherungsanstalt

Historische Ereignisse:

Brände: 1425 (Neustadt), 1724 (Mühlentor), 1725 (Unterer Graben), 1861 (große Teile der Peterstadt)

Im Spätmittelalter häufig in Fehden und Kriege der Landesherren involviert: Zerstörungen 1401, 1462. Im Dreißigjährigen Krieg ab 1623 betroffen

Sonstiges:

Gesundbrunnen seit 1639

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das mainzische Amt Hofgeismar-Schöneberg wird um 1300 nach der Erwerbung eines Teils der Grafschaft Dassel (1272) gebildet. Dazu gehören außer Hofgeismar Calden, Burg Haldessen und die 12 Dörfer am Reinhardswald. Mittelpunkt und Amtssitz ist anfangs die Burg Schöneberg. Seit der hessischen Übernahme der Herrschaft Schöneberg um 1430 ist Hofgeismar weitgehend isoliert, das Ende des mainzischen Amtes erfolgt endgültig 1462. Bei der hessischen Pfandnahme 1462 bleiben die Strukturen zunächst erhalten. 1583 gehören die Stadt Hofgeismar und das verfallene Schloss Schöneberg dazu.

1764 gehörten zum Amt Hofgeismar die Stadt, die neugegründeten Kolonien Kelze, Schöneberg und Karlsdorf sowie der Hofgeismarer Gesundbrunnen.

Nomineller Garnisonsort für westfälische Truppen nach 1806, Einquartierung unterschiedlicher Regimenter nach 1813, Kavalleriekaserne 1839-1842 für ein Dragonerregiment errichtet.

1821-1972: Kreisstadt

Wirtschaft:

Lebensgrundlage sind bis weit ins 19. Jahrhundert vor allem Landwirtschaft mit Viehzucht und die hiermit verbundenen, wenig ausdifferenzierten Handwerke. Seit dem 16. Jahrhundert ist Hofgeismar Mittelpunkt der regionalen Leinen- und Leinengarnherstellung.

Als alte Zünfte in Hofgeismar gelten die Kaufmannsgilde sowie die Zünfte der Bäcker, Metzger, Schmiede, Schuhmacher und Leinweber.

1554 Erneuerung der Zunftartikel für die Wollenweber zu Hofgeismar (HStAM Bestand 17 f Nr. 1256).

Ansätze eines vorübergehenden Aufstiegs im 18. Jahrhundert sind mit dem Ausbau des Gesundbrunnens, Fremdenverkehr und Hofhaltung der Landesherrschaft verknüpft. Erneuter Niedergang im 19. Jahrhundert.

Seit 1924 Basaltwerk, Steinbruch und Preßwerk. Ferner Holzverarbeitung, Sägewerk und Orgelherstellung. Nach dem Zweiten Weltkrieg Autokühler-Fabrik und Eisengießerei

Mühlen:

s. Siedlungsplätze

Fronmühle an der oberen Wasserpforte

Markt:

Wochenmarkt vor 1378, Märkte jedoch nie von überregionaler Bedeutung.

1639 fünf Märkte, 1797 drei Märkte (25. 1., 2.5., 9.8.) und zwei Viehmärkte (27.2, 2.11). Im 19. Jahrhundert vorübergehend von regionaler Bedeutung.

Münze:

Mainzische Münzstätte, Münzmeister (monetarius) 1210 genannt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hofgeismar, Landkreis Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2071> (Stand: 11.11.2022)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde