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Tote und Verletzte an der Frankfurter Hauptwache, 7. April 1920

Bei einem Auflauf an der Hauptwache in Frankfurt am Main feuern französische Soldaten, die in Folge des Kapp-Putsches und des sich daran anschließenden Einmarschs der Reichswehr ins Ruhrgebiet in die Stadt gekommen sind, in die Menge und richten ein Blutbad an; es gibt neun Tote und 26 Verletzte. Unter den beteiligten französischen Soldaten befinden sich marokkanische Sipahis, woraufhin württembergische Delegierte in einer wenige Tage später verabschiedeten Resolution den Zwischenfall als „Hinmordung wehrloser Frauen und Kinder durch schwarze Truppen“ bezeichnen. Daraufhin kommt es zu einer ausgedehnten Medienkampagne gegen den Einsatz nichtweißer Besatzungstruppen im Rheinland („Schwarze Schmach am Rhein“).

Auslöser: der „Kapp-Putsch“ vom 13. März 1920

Der sogenannte Kapp-Putsch war ein in der Nacht auf den 13. März 1920 begonnener und nach wenigen Tagen beendeter konterrevolutionärer Putschversuch gegen die Weimarer Republik, der hauptsächlich von ehemaligen und aktiven Militärangehörigen getragen wurde, darunter insbesondere Soldaten der im Februar 1919 entstandenen „Marinebrigade Ehrhardt“, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in gewaltbereiten, reaktionären Freikorps organisiert hatten, sowie Mitglieder der nationalkonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Der Putsch zwingt die von SPD, Zentrum und DDP getragene Regierung zur Flucht aus Berlin. Die Drohung bewaffneter Gegenwehr durch linksgerichtete Aktivisten aus der Arbeiterschaft ließ teilweise ein bürgerkriegsähnliches Szenario entstehen. Besonders große Auswirkungen hatte jedoch ein am 14. März zunächst Berlin erfassender und sich am darauffolgenden Montag, den 15. März, über das ganze Reich ausbreitender Generalstreik der Bevölkerung, der schließlich die Putschisten zur Aufgabe und Flucht zwang.

Französische „Vergeltung“ für deutsche Truppen im Ruhrgebiet

Die nun erfolgte kurzzeitige Besetzung Frankfurts durch französische Truppen ist eine Reaktion auf den Einmarsch der Reichswehr in das Ruhrgebiet, mit dem ein kommunistischer Aufstand („Ruhraufstand“) unterbunden und die durch den Umsturzversuch aufgeheizte Stimmung beruhigt werden sollte. Dabei drang die Reichswehr in gemäß dem Versailler Vertrag entmilitarisierte Gebiete vor, was Frankreich wiederum als Verletzung des Waffenstillstandsabkommens betrachtete und als „Vergeltung“ Anfang April eigene Truppen nach Frankfurt, Darmstadt, Hanau und Homburg entsandte.
(KU)

Belege
  • Mohamet Traore, Schwarze Truppen im Ersten Weltkrieg. Zwischen Rassismus, Kolonialismus und Nationalismus [Online-Ressource], Hamburg 2014, S. 40 ff.
  • Susanne Meinl, Der Entwurf einer nationalsozialistischen „Notverfassung“ aus dem Putschjahr 1923, in: Stadt Frankfurt am Main, Institut für Stadtgeschichte: Frankfurt 1933–1945 [Online], URL: http://www.ffmhist.de/ffm33-45/portal01/portal01.php?ziel=t_ak_notverfassung_1923 (eingesehen am 7.4.2015)
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Tote und Verletzte an der Frankfurter Hauptwache, 7. April 1920“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/526> (Stand: 7.4.2022)
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