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Albert Osswald tritt als Ministerpräsident zurück, 3. Oktober 1976

Am Tag der Bundestagswahl erklärt der hessische Ministerpräsident Albert Osswald (1919–1996; SPD) wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale wegen seiner Verstrickung in einen Spenden- und Finanzskandal seinen Rücktritt. Er übernimmt damit die politische Verantwortung für den Umstand, dass die wegen spekulativer Beteiligungsgeschäfte in finanzielle Schieflage geratene Hessische Landesbank (Helaba) – deren Verwaltungsratsvorsitzender Osswald ist – der hessischen SPD nicht nur großzügig Darlehen gewährte, sondern dass der Partei aus dieser Quelle auch illegale Spendengelder zugeflossen sind.

Nach Angaben von Osswalds Regierungssprecher Hartmut Miegel habe der Ministerpräsident in einem um 17 Uhr an den hessischen Landtagspräsidenten Dr. Hans Wagner (1915–1996; CDU) übergebenen Schreiben seinen Rücktritt erklärt. Um 18 Uhr bestätigt der stellvertretende südhessische SPD-Bezirksvorsitzende und amtierende Finanzminister Heribert Reitz (1930–2018; SPD) gegenüber der Presse, „Osswald habe dem Landesvorstand der hessischen SPD seine Demission mitgeteilt und dazu angemerkt, damit sei er einem bereits seit längerem feststehenden Entschluß gefolgt“.1 Gegenüber Journalisten hatte Osswald bis zuletzt bestritten, den vorzeitigen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten in Erwägung zu ziehen.
(KU)


  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.10.1976, S. 22.
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„Albert Osswald tritt als Ministerpräsident zurück, 3. Oktober 1976“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/1377> (Stand: 3.10.2022)
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