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Hessische Biografie

Portrait

Heinz-Herbert Karry
(1920–1981)

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GND-Nummer

12263814X

Karry, Heinz-Herbert [ID = 5172]

* 6.3.1920 Frankfurt am Main, † 11.5.1981@ermordet Frankfurt am Main, Begräbnisort: Frankfurt am Main Hauptfriedhof
Kaufmann, Politiker, Abgeordneter, Minister
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • Helmholtzschule Frankfurt am Main-Ostend
  • Kaufmännische Lehre im Eisenhandel
  • als "Halbjude" verfolgt und Zwangsarbeiter
  • 1945 selbstständiger Kaufmann (für Skistiefel und Gardinen) und Vermögensverwalter in Frankfurt am Main
  • Mitglied der Gesellschaft für Bürgerrechte, dann 1949 Mitglied der FDP, Mitglied des Kreisvorstands, 1958 Mitglied des Landesvorstands, 1974 Bundesvorstands der FDP, Landesschatzmeister, 1974 Bundesschatzmeister der FDP (in dieser Zeit erhielt die FDP die "Flick-Gelder")
  • 1960-1972 stellvertretender Stadtrat für Frankfurt am Main-Bornheim
  • 20.1.1960-8.8.1977 (als Nachfolger von Gerhard Daub, 5.2.1975-8.8.1977 "ruhendes Mandat, Mandatsniederlegung, Nachfolger: Otto Rudolf Pulch) und 1.-14.12.1978 Mitglied des Hessischen Landtags, dort 15.1.1963-13.2.1968 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion, 13.2.1968-30.11.1970 Vorsitzender der FDP-Fraktion, Mandatsniederlegung, Nachfolgerin: Ruth Wagner
  • setzte sich in Frankfurt am Main für den Wiederaufbau der Alten Oper ein, für den Ausbau der Kernenergie und die Startbahn West des Frankfurter Flughafens
  • 1969 Mitglied der 5., 1974 Mitglied der 6., 1979 Mitglied der 7. Bundesversammlung
  • 17.12.1970-1974 Minister für Wirtschaft und Technik, Rücktritt im Zug der Helaba-Affäre
  • 17.12.1970-14.12.1978 Mitglied des Bundesrates
  • 1974-1976 Minister für Wirtschaft und Technik mit Schwerpunkten Verkehrs-, Mittelstands- und Innovationspolitik, betrieb aktiv Handelspolitik, unter anderem mit der Volksrepublik China und den Arabischen Emiraten
  • 1976 stellvertretender Ministerpräsident, Minister für Wirtschaft und Technik
  • führte ein Bürgschaftssystem für klein- und mittelständische Betriebe ein
  • verwickelt in den Verkauf einer Waffenfabrik in das Krisengebiet des Nahen Ostens
  • 14.12.1978-11.5.1981 stellvertretendes Mitglied des Bundesrates
  • 1981 Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen
  • am 11.5.1981 in seinem Bungalow in der Hofhausstraße in Frankfurt am Main-Seckbach im Schlaf angeschossen, Tod durch starke innere Blutungen, die Täterschaft der „Revolutionären Zellen“ wurde zwar vermutet, aber nicht nachgewiesen. Der spätere Außenminister Joschka Fischer lieh in diesem Zusammenhang seinen PKW Hans-Joachim Klein, der möglicherweise damit die Tatwaffen transportierte, die aus einer amerikanischen Kaserne gestohlen worden waren.
  • erster Minister, der Opfer terroristischer Akte in der Bundesrepublik Deutschland wurde
  • Staatsakt in der Frankfurter Paulskirche und Schweigemarsch durch die Frankfurter Innenstadt

Funktion:

  • Hessen, 04. Landtag, Mitglied (FDP), 1960-1962
  • Hessen, 05. Landtag, Mitglied (FDP), 1962-1966
  • Hessen, 06. Landtag, Mitglied (FDP), 1966-1970
  • Hessen, Landtag, Fraktionsvorsitz (FDP), 1968-1970
  • Hessen, 07. Landtag, Mitglied (FDP), 1970-1974
  • Hessen, Ministerium für Wirtschaft und Technik, Minister, 1970-1981
  • Hessen, Ministerpräsident (stellv.), 1970-1981
  • Deutschland, Bundesrepublik, Bundesrat, Mitglied, 1970-1978
  • Hessen, 08. Landtag, Mitglied (FDP), 1974-1977
  • Hessen, 09. Landtag, Mitglied (FDP), 1978
  • Deutschland, Bundesrepublik, Bundesrat, Mitglied (stellv.), 1978-1981
Familie

Vater:

Karry, Max, Handwerker, Färbermeister in Bornheim, von den Nationalsozialisten 1942 verhaftet und ins Konzentrationslager deportiert

Partner:

  • Schrefel, Maria, * 8.5.1914, † 18.3.1987, Heirat 1945

Verwandte:

  • Karry, Roland <Sohn>
  • Karry, Vera <Tochter>
Nachweise

Literatur:

  • Lengemann, MdL Hessen 1808–1996. Biographischer Index, Marburg 1996, S. 206
  • Lengemann, Das Hessen-Parlament 1946–1986, Frankfurt am Main 1986, S. 293 f.
  • Wer ist Wer? Das Deutsche Who's Who, XX. Augabe 1979, S. 598
  • Christian Ebner, Kein Ruhmesblatt für Ermittler. dpa-Mitteilung vom 6. Mai 2011
  • Albrecht Kirschner, Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zur Vorstudie „NS-Vergangenheit ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter“ der Kommission des Hessischen Landtags für das Forschungsvorhaben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“, Wiesbaden 2013

Bildquelle:

Hessen. 60 Jahre Demokratie, S. 137

Leben

Heinz-Herbert Karry wurde wegen seiner Sprüche in breiter Frankfurter Mundart auch "Babba Hesselbach der Landesregierung" genannt. So soll er gesagt haben: "Manche machen Politik mittem Kopp, isch mit meiner Nas".

Heinz-Herbert Karry wurde am 11.5.1981 in seinem Bungalow in der Hofhausstraße in Frankfurt am Main-Seckbach im Schlaf durch das offene Fenster angeschossen. Er starb durch starke innere Blutungen. Die Täterschaft der „Revolutionären Zellen“ wurde zwar vermutet, aber nicht nachgewiesen. Die „Revolutionären Zellen“ bekannten sich zwar zu dem Attentat, gaben jedoch an, Karry hätte nur bestraft, nicht getötet werden sollen. Der spätere Außenminister Joschka Fischer lieh zu dieser Zeit seinen PKW Hans-Joachim Klein, der möglicherweise damit die Tatwaffen transportierte, die aus einer amerikanischen Kaserne gestohlen worden waren.

Karry war der erste Minister, der Opfer terroristischer Akte in der Bundesrepublik Deutschland wurde. Bis Mai 2011 waren die Mörder nicht identifiziert oder gefasst.

Zitierweise
„Karry, Heinz-Herbert“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/12263814X> (Stand: 7.3.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde