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Zeitgeschichte in Hessen - Daten · Fakten · Hintergründe

Erster Hinweis auf hessische SS im "Völkischen Beobachter", 19. Juni 1926

In der Samstagsausgabe des publizistischen Parteiorgans der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, dem "Völkischen Beobachter", findet sich der erste Hinweis auf eine hessische Formation der "Schutzstaffel" der NSDAP, einer paramilitärischen Partei-Sonderorganisation, die am 4. April 1925 aus acht Angehörigen des ehemaligen „Stoßtrupps Adolf Hitler“ aufgestellt wurde. In einem Bericht über Veranstaltungen der Partei im Gau Hessen-Nassau-Süd/Hessen-Darmstadt heißt es: "Der Frankfurter SA und SS, die jedesmal mit Lastauto und etwa 100 Mann zum Versammlungsschutz erscheint, unsere Anerkennung."1 Die als "Leibgarde" Adolf Hitlers gegründete Formation, die von 1925 bis 1926 zunächst von dem ehemaligen SA-Angehörigen Julius Schreck angeführt wird ("Oberleiter" der SS), fasst während der ersten Jahre ihres Bestehens nur in den hessischen Großstädten Fuß2, da die SA ihre innerparteiliche Vorrangstellung nutzt, um den internen Konkurrenten (der ihr bis 1934 formal unterstellt bleibt) möglichst klein zu halten: mit dem Aufbau einer Schutzstaffel darf erst begonnen werden, wenn innerhalb eines Partei-Gaues der Aufbau eines vollständigen SA-Sturmes abgeschlossen ist. Da die SA in den ersten Jahren nach der NSDAP-Neugründung am 26. Februar 1925 in Hessen nur über geringe Mannschaftsstärken verfügt und darüber hinaus die Zahl der SS-Männer pro Gemeinde auf nicht mehr als zehn Prozent der dort aktiven SA-Leute beschränkt werden muss, bleibt die später eine zentrale Stellung im Machtgefüge des "Dritten Reiches" einnehmende Schutzstaffel bis Anfang der 1930er Jahre vielerorts ohne größere Bedeutung. Einer der ersten SS-Führer in Hessen ist der in Frankfurt geborene Schlosser Friedrich Philipp Weitzel (1904-1940), der zuerst in die SA (1924) und nach Aufhebung des Parteiverbots 1925 auch in die NSDAP eintritt. 1926 wird Friedrich „Fritz“ Weitzel unter der Mitglieds-Nr. 408 in die SS aufgenommen, in deren Organisation im Gau Hessen-Nassau er schnell Führungsfunktionen bekleidet.
Die SS (das Akronym wurde in der Anfangszeit der Organisation in mehreren unterschiedlichen Bezeichnungsvarianten wie Sturmstaffel, Saal-Schutz oder Schutzkommando übersetzt, eine offizielle Namensgebung als Schutzstaffel erfolgte erst auf dem Reichsparteitag der NSDAP am 9. November 1925), die nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933, und besonders nach der Entmachtung der SA Ende Juni/Anfang Juli des Jahres 1934 zum wichtigsten Unterdrückungsorgan des Hitlerregimes wird, stellt ab 1934 eigene militärische Verbände neben der Wehrmacht auf und erlangt 1936 die vollständige Kontrolle über das Polizeiwesen im Deutschen Reich. Sie ist maßgeblich an der spätestens ab 1941 durchgeführten systematischen Deportation und Ermordung von schätzungsweise mindestens 5,6 bis 6,3 Millionen europäischer Juden beteiligt.
(KU)


  1. Völkischer Beobachter (1926), Nr. 138 vom 19. Juni 1926, zit. n. Schön, Eberhart: Die Entstehung des Nationalsozialismus in Hessen (Mannheimer sozialwissenschaftliche Studien; Bd. 7), Meisenheim am Glan 1972 (zugl.: Mannheim, Univ., Diss., 1970), S. 142.
  2. Bis Anfang 1930 nur in Frankfurt a. M., Wiesbaden und Kassel.
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Erster Hinweis auf hessische SS im "Völkischen Beobachter", 19. Juni 1926“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4582> (Stand: 21.10.2016)
Ereignisse im Mai 1926 | Juni 1926 | Juli 1926
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