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Demarkationslionie bei Rasdorf in Hessen

Geheimer Sowjetbefehl 39/61 – Gewährleistung der Sicherheit an der Westgrenze der Deutschen Demokratischen Republik, 14. September 1961

Mittels dieser Anweisung werden die Sperrmaßnahmen vom Mai 1952 verschärft, das Überwachungssystem wurde noch intensiver und engmaschiger.1 Die Leidtragende ist, auch in diesem Fall, die Bevölkerung, nicht nur die der DDR, sondern auch die der Bundesrepublik. Ein Leben in der Sperrzone ist von nun an so gut wie kaum mehr möglich. Nur durch spezielle Genehmigungen und Passierscheine ist ein Verbleib möglich. Auch für westdeutsche Bürger ist die Einreise in die DDR nicht mehr gestattet. In dem Befehl lautet es: Außerdem sind abzulehnen: - Einreisen von Ausländern, Staatenlosen sowie westdeutschen und Westberliner Bürgern, die zu Besuch in die DDR kommen; [...].2 Der Besuch beispielsweise von hessischen Bürgern zu den eventuell vorhandenen Verwandten jenseits der innerdeutschen Grenze ist über diese nicht mehr möglich. Der Kontroll- und Überwachungswahn der DDR-Regierung geht sogar so weit, dass das Halten von Sporttauben im 500-Meter Schutzstreifen [...] nicht gestattet ist.3
Entlang der Demarkationslinie lassen die Grenzsicherungstruppen der DDR ein Szenario entstehen, dass der Verteidigung eines drohenden Angriffskrieges seitens der Bundesrepublik und anderer westeuropäischen Staaten oder der USA gleicht. Minenfelder mit Stolperdrähten werden gelegt sowie Stacheldrahtzäune ausgebaut. Die Besatzung am Kontrollstreifen wird ebenso vermehrt. Des Weiteren heben die Grenztruppen der DDR Gräben aus. Insgesamt entstehen entlang der Grenze mehr als 600 Erdbunker, über 43 Beobachtungstürme, über 100 Baumbeobachtungsstände, unzählige Straßensperren, Spanische Reiter und andere Hindernisse.4 Dieser, von der Außenwelt abgetrennte, Bereich hat eine größere Fläche als der Staat Luxemburg.
Natürlich haben all diese Maßnahmen, wenn auch nicht von offizieller Seite zugegeben, nur den Zweck des Einsperrens und Kontrollierens der DDR-Bevölkerung. Ebenso kommt es auch zu wirtschaftlichen und sozialen Einschränkungen und Verschlechterungen. Eine Flucht ist nur noch durch, von der DDR-Propaganda bezeichnete illegale, Durchführungen möglich. Ohne Frage führen diese kriegsähnlichen Zustände zu Opfern. Mehr als 1.000 Menschen finden bei ihrem Versuch, aus der DDR zu fliehen, den Tod. Auch einige westdeutsche Bürger werden von den sogenannten Mauerschützen getötet, weil sie entweder Flüchtlingen geholfen haben oder auch einfach nur mit den Bewohnern des Grenzstreifens Kontakt aufnahmen. Dem gegenüber steht allerdings eine viel höhere Zahl von geglückten Fluchtaktionen. Überraschenderweise sind darunter auch viele von den Grenztruppen selbst enthalten. Ein Beweis dafür, dass die Verbundenheit und Treue der Grenztruppen zur DDR bei nicht jedem vorhanden und der Wunsch nach Freiheit größer ist.
(MW)


  1. Mitten in Deutschland, S. 9.
  2. Mitten in Deutschland, S. 12.
  3. Mitten in Deutschland, S. 11.
  4. Mitten in Deutschland, S. 13.
Belege
Weiterführende Informationen
  • Der Geheimbefehl ist im Werk Mitten in Deutschland (S. 10ff.) abgedruckt.
Empfohlene Zitierweise
„Geheimer Sowjetbefehl 39/61 – Gewährleistung der Sicherheit an der Westgrenze der Deutschen Demokratischen Republik, 14. September 1961“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4201> (Stand: 14.9.2017)
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