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Blockade des Frankfurter Flughafens und gewalttätige Demonstrationen an der Startbahn 18 West, 15. November 1981

Am Frankfurter Flughafen kommt es aufgrund von Protesten gegen die Politik der hessischen Landesregierung zu massiven Einschränkungen des Straßenverkehrs und gewalttätigen Ausschreitungen. Radikale Gegner des Flughafenausbaus und der Errichtung der Startbahn 18 West blockieren von Mittag an bis in die Abendstunden sämtliche Zufahrten zum Flughafengelände sowie die Autobahn A3. Gruppenweise besetzen die Demonstranten Fahrbahnen der Schnell- und der Zufahrtsstraßen zum Flughafen und bringen den Verkehr großteils zum Erliegen. Barrikaden werden errichtet. Für etwa eine Stunde bricht auch der S-Bahn-Verkehr zusammen, nachdem Unbekannte die Leitungen der Signalanlagen zerstört haben. Der Flugverkehr wird nicht unmittelbar behindert, doch einige Fluggesellschaften verzögern den Abflug ihrer Maschinen, da es ihren Passagieren nicht gelingt, das Abflugterminal mit dem Fahrzeug zu erreichen. Neben zahllosen Fluggästen, denen es nicht gelingt, auch nur in die Nähe des Airports zu gelangen, sind vereinzelt auch Angehörige des fliegenden Personals der Fluggesellschaften betroffen. Eine 74 Jahre alte Frau stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus an den Folgen eines Herzanfalls, da das sie transportierende Einsatzfahrzeug im Stau stecken bleibt.

An der Baustelle der Startbahn West liefern sich Demonstranten eine regelrechte Schlacht mit den Einsatzkräften der Polizei. Entlang der am Gelände errichteten Betonmauer werden Baumstämme als Rammen genutzt, um breite Lücken in die Absperrung zu schlagen. Die Polizei wird mit Wurfgeschossen traktiert. Es fliegen Flaschen, Steine und Holzknüppeln; aber auch mit Schleudern verschossene Stahlkugeln und Schraubenmuttern. Insgesamt werden hier bis zum frühen Abend fünf Beamte verletzt, drei von ihnen werden zur stationären Behandlung in Krankenhäuser gebracht.

Zu der Blockade des Rhein-Main-Flughafens hatte am Vortag der Frankfurter Magistratsdirektor und Sprecher der „Bürgerinitiative Volksbegehren“ Alexander Schubart (1931–2016) aufgerufen. Schubart forderte bei einer Großdemonstration anlässlich der Übergabe des Antrags auf ein Volksbegehren in Wiesbaden, zu der schätzungsweise 120.000 bis 150.000 Menschen gekommen waren, die Anwesenden auf, am folgenden Tag den Flughafen „dicht“ zu machen, sollte die Landesregierung nicht binnen 24 Stunden auf den Vorschlag zur Herstellung eines Moratoriums eingehen.
(KU)

Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.1981, S. 1: Blockade und brennende Barrikaden Die Startbahn-Gegner machen ihre Drohung wahr: Schwere Auseinandersetzungen um den Ausbau des Frankfurter Flughafens / "Ökologischer Bürgerkrieg".
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.1981, S. 29: Chaos rund um den Flughafen fordert ein Todesopfer: Fahrzeugstau verhindert Rettung herzkranker Frau / Harte Gefechte zwischen Gewalttätern und Polizei.
Empfohlene Zitierweise
„Blockade des Frankfurter Flughafens und gewalttätige Demonstrationen an der Startbahn 18 West, 15. November 1981“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1451> (Stand: 8.11.2017)
Ereignisse im Oktober 1981 | November 1981 | Dezember 1981
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