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Königin Margherita von Italien (1830-1912)

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Schulterklappe an der Uniform der Marburger Jäger mit italienischer Königskrone und M für Margherita (Königin von Italien)

Besuch der Königin von Italien in Marburg, 28. September 1903

Königin Margherita von Italien (1851–1926) besucht das Marburger Jäger-Bataillon und die Marburger Elisabethkirche. Margherita, die Witwe des 1900 bei einem Attentat ums Leben gekommenen Königs Umberto I. von Italien, zählte als Tochter der aus sächsischem Haus stammenden Prinzessin Elisabeth (1830–1912) die Heilige Elisabeth zu ihrem Vorfahren. 1897 hatten ihr die zu ihrer Begrüßung in Homburg vor der Höhe angetretenen Soldaten der Marburger Garnison „gefallen“, weshalb Kaiser Wilhelm II. sie zum Ehrenorberst des in Marburg stationierten Preußischen Jägerbataillons 11 (vorher Kurhessisches Jägerbataillon 11) ernannte. Die Marburger Jäger trugen seitdem eine italienische Krone und ein großes M (für Margherita) auf ihren Schulterklappen.

Bericht über den Besuch der Königin1:
„Heute früh durcheilte mit Windeseile die Kunde durch unsere alte Hessenstadt, daß ihr unerwartet die hohe Ehre eines Besuches seitens der Königin, Mutter Margherita von Italien zu Teil werden sollte. Selbstredend wetteiferte bald Bürgerschaft und Militär miteinander, um die nötigen Anstalten zu einem würdigen Empfang des hohen Gastes zu treffen.

Bekanntlich hat die Königin Margherita zu der Stadt Marburg auch noch andere Beziehungen, wie die eines Chefs des hier garnisonierten Kurhessischen Jägerbataillons Nr. 11. Es ist dies ihre Abstammung von der heiligen Elisabeth, deren Gebeine hier in dem wegen seiner Eigenart weltberühmten Elisabethkirche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Daß die heilige Elisabeth ihre Stammmutter ist, hat die Königin Margherita erst gelegentlich ihres 51. Geburtstages am 20 November erfahren, als ihr im Namen des Offizierkorps des Jägerbataillons Herr Oberleutnant Freiherr v. Schenk zu Schweinsberg im Schlosse Stupinizi in Italien als Geschenk eine künstlerisch im Stile des 13. Jahrhunderts vom Professor Hildebrand nach dem Muster des berühmten Stammbaums Christi in Hildesheim hergestellte Stammtafel überreichte. Die Königin war damals über das sinnige Geschenk um so mehr erfreut, als ihr, wie sie sich ausdrückte, die Abstammung von der heiligen Elisabeth durch das Haus Hessen völlig neu sei. Sie gab damals auch zugleich die Zusicherung, daß sie im nächsten Jahre nach Deutschland kommen und dann jedenfalls auch nicht versäumen würde, die Grabstätte der heiligen Elisabeth und ihr hessisches Jägerbataillon zu besuchen. Gelegentlich ihrer Rückreise von Dänemark, wo sie zu Besuch weilte, nach ihrer Heimat im sonnigen Süden ist die Königin jetzt ihrem Schulterklappe des JgBtl 11, das „M“ steht für Königin Margherita von Italien Versprechen nachgekommen. Als um 6.43 Uhr der Casseler Schnellzug, der die Königin brachte, in den Hauptbahnhof einlief, hatte Marburg sein herrlichstes Festkleid angelegt. Alle Straßen und Häuser nach der Nord-, Ost- und Südseite hin waren bis zum altertümlichen Schlosse hinauf prächtig illuminiert und hier und da flammten Feuerwerkskörper zum dunklen Nachthimmel empor. Unweit von dem Bahnhofe hatte man in aller Eile auch noch eine mächtige Ehrenpforte gebaut. Selbstredend war ganz Marburg auf den Beinen, vom Bahnhofe bis zur Elisabethkirche hin standen die Tausende dicht gedrängt Kopf an Kopf. Feuerwehrleute in Uniform und Militär bildeten Spalier, in der Nähe der Kaserne hatte sich der Kriegerverein aufgestellt. Zum Empfange der Königin waren am Bahnhofe anwesend der eigens zu diesem Zwecke hier hergekommene Kommandeur des 11. Armeekorps Exzellenz von Wittich aus Cassel, der Kommandeur des Jägerbataillons, Herr Oberstleutnant von Borries und Oberleutnant Freiherr Schenk zu Schweinsberg.

Als die Königin am Arme des Generalleutnants v. Wittich den Bahnhof verließ und im Wagen Platz nahm, brach das Publikum in stürmische Hochrufe aus. Die Fahrt ging nun zunächst nach dem Elisabeth-Dom, welcher bekanntlich nächst der Liebfrauenkirche in Trier das Älteste unter den reingotischen Bauwerkens Deutschlands aus der Zeit des 13. Jahrhunderts ist. Die Führung hatte hier der Herr Stadtschuldirektor Dr. Seehausen übernommen. Die hohe Frau betrachtete mit Interesse das Grabmal der heiligen Elisabeth und die sonstigen in dieser Kirche vorhandenen reichen Schätze der Architektur, der Bildnerei und der Malerei. Nach der Besichtigung der Kirche begab sich die Königin durch das Biegenviertel, von wo man einen prächtigen Blick auf unsere im Lichtermeer strahlende Bergstadt hatte, nach der prächtig dekorierten Kaserne. Hier hatte unterdes das Bataillon im Scheine der Fackeln Aufstellung genommen. Herr Oberstleutnant v. Borries wies hier in kurzen Worten auf die hohe Ehre hin, welche dem Bataillon durch den hohen Besuch zuteil geworden sei, und endete mit einem Hoch auf die Königin Margherita.

Namens der letzteren, die sichtlich erfreut war, dankte Herr Generalleutnant Exzellenz v. Wittich und brachte zum Schluß ein Hoch auf Seine Majestät den Deutschen Kaiser aus. Die Jägermusik spielte dann die italienische und die deutsche Nationalhymne. Von hier aus folgte die hohe Frau einer Einladung des Offizierkorps ins Kasino, wo ihr ein prächtiges Blumenbukett überreicht wurde.

Um 9 Uhr fuhr die Königin wieder unter den brausenden Hochrufen des Publikums nach dem Bahnhofe und reiste in der Richtung Süden weiter. Marburg und sein Jägerbataillon kann aber darauf stolz sein, daß es, trotzdem der Besuch überraschend kam, der Königin Margherita doch einen so herrlichen Empfang bereiten konnte.“ (http://www.11erjäger.de/Chef.htm)
(OV)


  1. Die Quelle des Berichts konnte bisher nicht ermittelt werden.
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Besuch der Königin von Italien in Marburg, 28. September 1903“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/3336> (Stand: 28.9.2017)
Ereignisse im August 1903 | September 1903 | Oktober 1903
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