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Grabdenkmäler

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Lisa Stümmel (Stommel) geb. Schutzbar genannt Milchling 1502, Wetzlar

Wetzlar · Gem. Wetzlar · Lahn-Dill-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Wetzlar

Gebäude:

Wetzlar, Dom.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Wetzlar, Dom.

Im Inneren an der nordöstlichen Wand des südöstlichen Querschiffes.

Merkmale

Datierung:

25. Februar 1502

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein · Kupfer

Erhaltung:

erhalten

Größe:

100 x 200 cm (B x H)

Beschreibung

Beschreibung:

Hochrechteckige Sandsteinplatte, darin eingelassen eine umlaufende Inschrift und zwei Wappenschilde in Kupfer.

Dargestellte Personen:

Lisa geborene Schutzbar genannt Milchling, Ehefrau des Junkers Eberhard Stommel, Vogts zu Wetzlar und Gleiberg, gestorben am 25. Februar 1502. Gloël las fälschlich 1501, Fahne und von Buttlar-Elberberg 1505.

Nach der für die ältere Zeit leider wenig zuverlässigen Stammtafel der Familie Schutzbar genannt Milchling bei von Buttlar-Elberberg soll die Verstorbene aus der Ehe des Friedrich Schutzbar genannt Milchling mit Susanna Döring von Biedenkopf hervorgegangen sein, doch ließ sich dies bisher urkundlich nicht belegen. Sicher ist nur, dass sie einen Bruder Friedrich hatte, der Kanoniker und Scholaster des Marienstifts Wetzlar war. Im Nekrologium des Stifts ist nämlich zum 18. April ein Jahrgedächtnis für Lisa, ihren Ehemann Eberhard und ihren genannten Bruder verzeichnet (Luckhard, S. 93). Dort heißt es zudem, dass Lisa unter der Orgel nahe des Maria-Magdalenen-Altars (sub organis Juxta altare sancte Marie Magdalene) ihre letzte Ruhe fand.

Möglicherweise war Lisa vor ihrer Eheschließung mit Eberhard Stümmel (Stommel) schon einmal verheiratet gewesen, denn am 4. März 1502 - also kurz nach dem auf der Grabplatte genannten Todestag - bekundete der Adlige Friedrich von Göns, dass seine Mutter Lysa Milchling nun verstorben sei und er deshalb nicht persönlich vor dem Hofgericht in Marburg erscheinen könne (StA Marburg, Best. 257, K 264). Sein Vater, der am 24. November 1494 noch lebende und vor dem 27. August 1501 verstorbene Burgmann zu Gleiberg Otto von Göns (StA Wiesbaden, Abt. 166/67, Nr. 3350, fol. 72, und Abt. 121 Urkunden von Göns), könnte also ein erster Ehemann Lisas gewesen sein.

Eberhard Stümmel (Stommel) ist erstmals am 9. Januar 1456 und zwar mit der Herkunftsbezeichnung "von Friedberg" und als Sohn eines Gottfried Stommel fassbar (LHA Koblenz, Best. 54.032, Urk. 994). Am 4. Februar desselben Jahres reversierte er - hier Sohn des verstorbenen Gottfried genannt - Philipp von Bicken über seine Belehnung mit dem "Heymannschen Hof" in der Wetzlarer Neustadt und mit einer Mark auf der Brotschirn als Mannlehen (LHA Koblenz, Best. 54.032, Urk. 995). Als [nassauischer] Vogt zu Wetzlar kommt er schon am 29. Mai 1465 vor, als [nassauischer] Vogt zu Gleiberg z. B. am 12. Juni 1494 (Regesten von Ernst Wiese im StA Wiesbaden, Abt. 1087, Nrn. 23 und 25). In erster Ehe war Eberhard mit der von 1476 bis 1498 als seine Frau bezeugten Margarethe im Steinhaus aus Gelnhausen, zuvor Witwe des Johann von Liechtenstein und des Henne von Breidenbach zu Frankfurt, verheiratet (Luckhard, S. 30, 134, 213, 273; Schönwerk; Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, Hausurkunden Nr. 677). Sie starb am 14. April 1500, wie die Inschrift ihres früher im Wetzlarer Dom erhaltenen Grabdenkmals besagte (siehe dort). In ihr wird Eberhard als Vogt zu Oppenheim und Wetzlar genannt. Kurz darauf muß er die obige Lisa geheiratet haben. Da beide Ehen offenbar kinderlos blieben, bestimmte Eberhard laut Testament vom 12. März 1507 im wesentlichen Helfrich Stümmel (Stommel), den Sohn seines Bruders Johann, als Erben (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, Hausurkunden Nrn. 676 und 677; Fahne, S. 25). Eberhard starb zwischen dem 17. Januar 1512 und dem 26. Februar 1513 (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, Hausurkunden Nrn. 670 und 676) und wurde ebenfalls im Wetzlarer Dom beerdigt (Fahne, S. 24). Sein Grabdenkmal ist nicht erhalten.

Fahne nannte die Familie Stümmel (Stommel) als eine hessische Linie der Adligen von Stommel im Rheinland, die sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts abgespalten und dann ihr Wappen geändert habe. Seine wohl frei erfundenen Angaben wurden von späteren Autoren meist übernommen. Wahrscheinlicher jedoch ist der Bürger und Schöffe Hermann Stummel zu Siegen, der schon 1360 mit Dreieck und Stern im Wappen siegelte (Philippi, Siegeltafeln im Anhang, Nr. 20) und der 1356 mit seiner Frau Sanne geb. Snauhart aus Wetzlar mehrere Kinder hatte (Battenberg, Nr. 341), als Stammvater der Familie zu betrachten.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Im Feld zwei kupferne Wappenschilde:

links Stümmel (Stommel), im Schild ein Dreieck mit doppelter Grundlinie und Sechsstern darin,

rechts Schutzbar genannt Milchling, ein Kleeblatt.

Inschrift

Umschrift:

An(n)o • d(omi)ni • m • ccccc • ij • xxv • /

me(n)sis • febr(uarii) • obijt • lisa • schutzspe(r)n • d(i)c(t)a • milchli(n)g • uxor • do /

micelli • ebe(r)hardi • sto(m) /

mels • aduocati • in wezfla(r) • et • glipu(r)g • c(uius) • a(n)i(m)a • r(equiescat) • i(n) • pace • a(men) •

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1502, am 25. des Monats Februar, starb Lisa Schutzsper genannt Milchling, Ehefrau des Junkers Eberhard Stommel, Vogts zu Wetzlar und Gleiberg, deren Seele in Frieden ruhe, Amen.

Kommentar:

Gloël las - neben anderen Ungenauigkeiten - fälschlich 1501, Fahne und von Buttlar-Elberberg 1505.

Schrift:

Gotische Minuskel

Nachweise

Literatur:

  • Gloël, Heinrich: Die alten Wetzlarer Grabsteine und Epitaphien, in: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins 9 (1925), S. 3-80, hier S. 6 f.
  • Fahne, Anton: Geschichte der adligen Familie von Stommel, Düsseldorf 1845, mit Zeichnung der Grabplatte auf S. 24
  • Buttlar-Elberberg, Rudolf von: Stammbuch der Althessischen Ritterschaft, Tafel Schutzbar genannt Milchling
  • Luckhard, Fritz: Das Wetzlarer Necrologium von 1389, Wetzlar 1925
  • Schönwerk, August: Das Wetzlarer Necrologium von 1389 - Verzeichnis, Wetzlar 1936
  • Philippi, Friedrich: Die Urkunden aus dem Staatsarchiv Münster und dem Stadtarchiv Siegen von 1351 bis 1500 (= Siegener Urkundenbuch, Bd. 2), Siegen 1927
  • Battenberg, Friedrich: Solmser Urkunden, Band 1, Darmstadt 1981

Personen:

Stümmel, Eberhard · Stommel, Eberhard · Schutzbar genannt Milchling, Friedrich · Milchling, Friedrich Schutzbar genannt · Schutzbar genannt Milchling, Susanna, geb. Döring von Biedenkopf · Milchling, Susanna Schutzbar genannt, geb. Döring von Biedenkopf · Döring von Biedenkopf, Susanna, verheiratete Schutzbar genannt Milchling · Göns, Friedrich von · Göns, Otto von · Göns, Lisa von, geb. Schutzbar genannt Milchling · Schutzbar genannt Milchling, Lisa, verheiratete von Göns · Milchling, Lisa Schutzbar genannt, verheiratete von Göns · Bicken, Philipp von · Stümmel, Margarethe, geb. im Steinhaus · Stommel, Margarethe, geb. im Steinhaus · Liechtenstein, Margarethe von, geb. im Steinhaus · Breidenbach, Margarethe von, geb. im Steinhaus · Steinhaus, Margarethe im, verheiratete von Liechtenstein, von Breidenbach und Stümmel (Stommel) · Liechtenstein, Johann von · Breidenbach, Henne von · Stümmel, Helfrich · Stümmel, Johann · Stommel, Helfrich · Stommel, Johann · Stümmel, Hermann · Stommel, Hermann · Stümmel, Gottfried · Stommel, Gottfried · Stümmel, Sanne, geb. Snauhart · Stommel, Sanne, geb. Snauhart · Snauhart, Sanne, verheiratete Stümmel (Stommel)

Orte:

Frankfurt · Friedberg · Gelnhausen · Gleiberg · Marburg · Oppenheim · Siegen

Sachbegriffe:

Wappen · Frauen · Adlige

Wappen:

Stümmel · Stommel · Schutzbar genannt Milchling · Milchling, Schutzbar genannt

Bearbeitung:

Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Lisa Stümmel (Stommel) geb. Schutzbar genannt Milchling 1502, Wetzlar“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1413> (Stand: 9.9.2008)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde