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Streiks der Darmstädter Werkkunstschule begleiten Umstrukturierungen im Lehrbetrieb, 23. Mai 1969

Der über mehrere Wochen andauernde Streik der Werkkunstschüler der Werkkunstschule Darmstadt beginnt am 23. Mai 1969. Aufgerufen hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) zu einem Vorlesungsstreik, mit dem sich auch die Dozenten solidarisch erklären. Friedrich G. Hüffner, der 1960 den Posten des Direktors übernommen hatte, blockiert die Reformbestrebungen, deren Ziel erste Vorbereitungen, um die Werkkunstschule zu einer Hochschule für Design zu entwickeln bzw. diese als eigenständigen Fachbereich an die Technische Hochschule Darmstadt anzugliedern, von Schülern und Dozenten angestrebt werden. Darüber hinaus ist eine inhaltliche Hinwendung zu Anforderungen von Wirtschaftsunternehmen vorgesehen, was zugleich die Abwendung von rein künstlerischen Inhalten bedeutet. Eine Anpassung der Lehrpläne soll diesen beiden Vorhaben zuträglich sein. Die von der Schülerschaft und den Lehrenden unabhängig voneinander beschiedenen Kollegialverfassung sollte bereits umgesetzt werden, bevor im Folgemonat das Kuratorium der Werkkunstschule die Verfassung begutachten und darüber entscheiden konnte. Hüffner erklärte die Beschlüsse für ungültig und kritisiert zudem nicht in die Planungen einbezogen worden zu sein. Nach einem Eklat mit dem AStA wirft die Schülerschaft dem Schuldirektor autokratischen Führungsstil und mangelnde Reformbereitschaft vor und entzieht ihm das Vertrauen.

Die Darmstädter Vorhaben stehen im Kontext weiterer Reformbestrebungen an hessischen Werkkunstschulen, beispielsweise in Offenbach und Kassel sowie den gescheiterten Integrationsbemühungen der nordrhein-westfälischen Werkkunstschulen in die Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen. Bereits 1968 war dies von den Offenbacher Werkkunstschülern kritisch beobachtet und mit einem solidarischen Streik bedacht worden.1(FW)


  1. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.6.1969, S. 26: "Streik" der Studenten geht weiter; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.5.1969, S. 32: Unzufrieden mit dem Direktor; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.6.1969, S. 28: Ein Versuch: Hochschule für Design; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.5.1968, S. 41: Protest vor der "Konjunkturruine"; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.5.1968, S. 28: Vorlesungsstreik an der Werkkunstschule; Webpräsenz der Hochschule Darmstadt: Geschichte und Profil, Stand: 25.2.2016.
Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.6.1969, S. 26: "Streik" der Studenten geht weiter.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.6.1969, S. 28: Ein Versuch: Hochschule für Design.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.5.1969, S. 32: Unzufrieden mit dem Direktor.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.5.1968, S. 41: Protest vor der "Konjunkturruine".
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.5.1968, S. 28: Vorlesungsstreik an der Werkkunstschule.
  • Webpräsenz der Hochschule Darmstadt: Geschichte und Profil, Stand: 25.2.2016.
Empfohlene Zitierweise
„Streiks der Darmstädter Werkkunstschule begleiten Umstrukturierungen im Lehrbetrieb, 23. Mai 1969“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5315> (Stand: 16.8.2017)
Ereignisse im April 1969 | Mai 1969 | Juni 1969
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