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Aufstellung der neuen Panzerbrigade 34 in Kassel, 1.-2. April 1975

Aus dem Bundesverteidigungsministerium ergeht am 2. April 1975 die Mitteilung, dass die Bundeswehr zum Stichtag 1. April 1975 drei neue Panzerbrigaden aufstellen wird. Eine dieser Brigaden befindet sich unter der Bezeichnung Panzerbrigade 34 in Kassel1. Die beiden anderen Brigaden werden in Hemer/Nordrhein-Westfalen (Panzerbrigade 20) und in Dornstadt/Baden-Württemberg (Panzerbrigade 28) aufgestellt. Alle drei neuen Brigaden fungieren als Versuchsbrigaden ("Modell-Panzerbrigaden") für die geplante Heeresstruktur IV. Den Kern der neuen Verbände bilden die beiden bisherigen Panzerregimenter 100 und 200 sowie Truppenteile der in Kassel stationierten 2. Jägerdivision.

Keine zahlenmäßige Aufstockung des Heeres

Die Neuaufstellung der Brigaden bedeutet keine zahlenmäßige Aufstockung des Heeres oder die räumliche Verlegung von großen Truppenteilen, denn die bisherigen Verbände verbleiben im wesentlichen in ihren alten Standorten. Jedoch erhält die Truppe durch die Neuerungen nach Ansicht von Fachleuten des Verteidigungsministeriums einen hohen Zuwachs an Kampfkraft. In diesem Zusammenhang werden die Bataillone und Kompanien der neuen Brigaden zwar verkleinert; die Panzer- und Panzergrenadierbataillone werden über eine geringere Anzahl von Kampf- und Schützenpanzern verfügen. Jedoch werden die Brigaden gegenüber ihrer bisherigen Stärke um ein zusätzliches Panzerbataillon erweitert; die Panzergrenadierbataillone erhalten eine zusätzliche Kampfkompanie. Ein positiver Nebeneffekt der Neuerungen entsteht dadurch, dass durch die Verkleinerung der Einheiten eine Senkung der Betriebskosten der Brigaden erzielt wird (von bisher 80 auf voraussichtlich 69 Millionen DM).

Vergrößerte Feuerkraft der Panzer erfordert verkleinerte Einheiten

Ausschlaggebend für die Neugliederung der Heeresverbände ist unter anderem die größere Feuerkraft der neuen Kampfpanzer "Leopard" und Schützenpanzer "Marder". Die Verkleinerung der Einheiten ist notwendig, damit der Einheitsführer in der Lage bleibt, den Einsatz der unter seinem Kommando stehenden Waffen zu befehlen und zu leiten. So verfügt die Kanone des Kampfpanzers Leopard vom Kaliber 105 mm gegenüber den Waffen der bisher im Heer verwendeten Vorgängermodelle über eine vergrößere Wirksamkeit, die es der den Panzer Leopard einsetzenden Panzerkompanie erlaubt, mit weniger Kampfwagen als zuvor dieselbe Breite eines Gefechtsabschnitts abzudecken.

Die der Panzerbrigade 34 ab 1. April 1975 unterstellten Brigadeeinheiten umfassen zunächst den Stab/die Stabskompanie 34 mit Sitz in Kassel, die Panzerjägerkompanie 340 in Wolfhagen, zu deren Aufstellung Personal und Material der Panzerjägerkompanie 50 herangezogen wird, das Panzergrenadierbataillon 341 in Allendorf, und die Panzerbataillone 342 und 343 in Arolsen, die aus einer Umgliederung bzw.Teilung des Panzerbataillons 44 entstehen.
(KU)


  1. 1981 wird die Panzerbrigade 34 in Panzerbrigade 6 umbenannt, ihr Stab von Kassel nach Hofgeismar verlegt.
Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03.04.1975, S. 1: "Drei neue Panzerbrigaden für die Bundeswehr".
  • HeBIS Wehrkunde: Zeitschrift für alle Wehrfragen 24. Jg. (1975), S. 271.
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Aufstellung der neuen Panzerbrigade 34 in Kassel, 1.-2. April 1975“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5347> (Stand: 16.8.2017)
Ereignisse im März 1975 | April 1975 | Mai 1975
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