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Hessische Biografie

Nassau-Hadamar, Johann Ludwig Fürst von [ID = 2296]

* 12.8.1590 Dillenburg, † 6.3.1653 Hadamar, evangelisch-reformiert; katholisch
Graf, Fürst
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Andere Namen

Weitere Namen:

  • Nassau-Hadamar, Johann Ludwig Graf von
Wirken

Werdegang:

  • Besuch der Dillenburger Hofschule
  • 1604-1606 Besuch der Akademie von Sedan
  • 1606-1607 Studium in Genf
  • 1608 Grande Tour durch Südfrankreich mit Aufenthalt in Paris sowie London mit vorherigen Aufenthalten in Calais und Dover
  • 1610 „Aventurier“ im Niederländischen Unabhängigkeitskrieg
  • 1628 Unterhändler in Wien
  • 1643-1648 kaiserlicher Generalbevollmächtigter in Münster
  • ab 1652 katholisch
Familie

Vater:

Nassau-Dillenburg, Johann VI. Graf von, 1536–1606

Mutter:

Sayn-Wittgenstein, Johanette Gräfin von, 1561–1622

Partner:

Verwandte:

  • Anhalt-Harzgerode, Johanna Elisabeth Fürstin von, geb. Gräfin von Nassau-Hadamar <Tochter>, * 17.1.1619, † 2.3.1647, verheiratet 10.8.1642 mit Fürst Friedrich von Anhalt-Harzgerode, * 16.9.1613, † 30.6.1670
  • Nassau-Hadamar, Luise Ursula Gräfin von <Tochter>, * 22.3.1620, † 31.8.1635
  • Nassau-Dillenburg, Sofie Magdalene Fürstin von, geb. Gräfin von Nassau-Hadamar <Tochter>, * 6.2.1622, † 28.6.1658, verheiratet seit 7.10.1656 mit Graf später Fürst Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg, * 9.5.1594, † 12.7.1662
  • Nassau-Hadamar, Johann Ludwig Graf von <Sohn>, * 29.8.1623, † 12.1.1624
  • Nassau-Hadamar, Simon Ludwig Graf von <Sohn>, * 18.12.1624, † 28.1.1628
  • Nassau-Hadamar, Moritz Heinrich Fürst von <Sohn,>, * 24.6.1626, † 24.1.1679
  • Nassau-Hadamar, Hermann Otto Prinz von <Sohn>, * 13.12.1627, † 26.7.1660, Domherr in Köln, Mainz und Trier
  • Nassau-Hadamar, Philipp Ludwig Graf von <Sohn>, * 21.8.1628, † 24.3.1629
  • Nassau-Hadamar, Anna Katharina Gräfin von <Tochter>, * 27.4., † 11.6.1630
  • Nassau-Hadamar, Johann Ernst Prinz von <Sohn>, * 25.10.1631, † 28.9.1651, Domherr in Köln
  • Nassau-Hadamar, Anselm Ferdinand Graf von <Sohn>, * 4.1.1634, † 3.3.1634
  • Nassau-Hadamar, Johann Ludwig Graf von <Sohn>, * † 17.8.1635
  • Nassau-Hadamar, Franz Bernhard Prinz von <Sohn>, * 21.9.1637, † 15.9.1695, Dompropst in Köln und Straßburg
  • Nassau-Hadamar, Marie Elisabeth Gräfin von <Tochter>, * † 23.7.1638
  • Nassau-Dillenburg, Wilhelm Ludwig Graf von <Stiefbruder>, 1560–1620, verheiratet 1585 mit Anna von Oranien, 1562–1588, Tochter des Fürsten Wilhelms I. von Oranien
  • Nassau-Siegen, Johann II. Graf von <Stiefbruder>, 1561–1623
  • Nassau-Dillenburg, Georg Graf von <Stiefbruder>, 1562–1623
  • Isenburg-Büdingen, Elisabeth Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Stiefschwester>, 1564–1611, verheiratet I. 1583 mit Graf Philipp IV. von Nassau-Saarbrücken, 1542–1602, verheiratet II. 1603 mit Wolfgang Ernst I. Graf Isenburg-Büdingen, 1560–1633
  • Solms-Braunfels, Juliane Graf von Solms-Braunfels, 1563–1623 <Stiefschwester>, 1565–1630, verheiratet I. 1588 mit Heinrich Adolf Wild- und Rheingraf zu Daun, 1557–1606, verheiratet II. 1619 mit Johann Albrecht I.
  • Nassau-Dillenburg, Philipp Graf von <Stiefbruder>, 1566–1595, im Gefecht bei Rheinberg gefallen
  • Nassau-Wiesbaden, Marie Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Stiefschwester>, 1568–1625, verheiratet 1588 mit Johann Ludwig I. Graf von Nassau-Wiesbaden, 1567–1596
  • Mansfeld-Arnstein, Matilde Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Stiefschwester>, 1570–1625, verheiratet 1592 mit Wilhelm Graf von Mansfeld-Arnstein, † 1615
  • Nassau-Dietz, Ernst Kasimir Graf von <Stiefbruder>, 1573–1632, verheiratet 1607 mit Sofie Prinzessin von Braunschweig, 1595–1642
  • Nassau-Dillenburg, Ludwig Günther Graf von <Stiefbruder>, 1575–1604, verheiratet 1601 mit Anna Margarete Gräfin von Manderscheid, † 1604, Tochter des Johann Gerhard Graf von Manderscheid
  • Solms-Greifenstein, Amalie Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Stiefschwester>, 1582–1635, verheiratet 1600 mit Wilhelm I. Graf von Solms-Greifenstein, 1570–1635
  • Bentheim-Limburg, Johannette Elisabeth Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Schwester>, 1593–1654, verheiratet 1616 mit Konrad Gumprecht Graf von Bentheim-Limburg, † 1619
  • Isenburg-Birstein, Anna Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Schwester>, 1594–1660, verheiratet 1619 mit Philipp Ernst Graf von Isenburg-Birstein, 1595–1635
  • Erbach, Magdalene Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Schwester>, 1595–1633, verheiratet 1624 mit Georg Albrecht I. Graf von Erbach, 1597–1647
  • Isenburg-Birstein, Anna Amalie Gräfin von, geb. Gräfin von Nassau-Dillenburg <Schwester>, 1599–1667, verheiratet 1648 mit Otto Graf von Isenburg-Birstein, 1597–1667
Nachweise

Literatur:

  • ADB 14, 1881, S. 258-260;
  • Renkhoff, Nassauische Biographie 2. Aufl., 1992, Nr. 3045;
  • Schwennicke, Europäische Stammtafeln NF 1, 1980, T. 74 u. 80
  • Matthias Theodor Kloft, Zwischen Reichsdienst, Hausinteressen, Katholizismus und Landesherrschaft. Die jüngere Linie Nassau-Hadamar und ihr Fürstentum. In: Nassauische Annalen 123, 2012, S. 367-404;
  • Matthias Theodor Kloft. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 38, 1986, 47-106;
  • W. Michel. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 20, 1968, 71-101;
  • W. Michel. In: Limburg-Weilburg, 1986, 529f.;
  • W. Michel. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 42, 1990, 285-302;
  • Gerhard Menk. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 5, 1979, 103 ff.;
  • Stahl, Hadamar – Stadt und Schloß, S. 41-51;
  • Karl Pagenstecher. In: Je maintiendrai 2, Leiden 1905/06, S. 103-116;
  • Karl Pagenstecher, Zur Geschichte der Gegenreformation in Nassau-Hadamar (Programm des Realgymnasiums Wiesbaden 1896/ 97) passim;
  • Duhr 2, l, 1913, 98-102;
  • L. Koch 749 f.
  • NL 2, 1943, 109-123;
  • Krupp 1-13. 125-48 u.ö.
Leben

Johann Ludwig von Nassau-Hadamar wurde am 20.8.1590 auf Schloss Dillenburg als zwanzigstes Kind Johanns VI. von Nassau-Dillenburg (1559-1606) und seiner dritten Ehefrau Johannette von Sayn-Wittgenstein (1561-1622) geboren. Im Jahre 1617 heiratete er Ursula von Lippe-Detmold, mit welcher er 14 Kinder hatte.

Er besuchte zunächst die Hofschule in Dillenburg, wo er in Lesen, Schreiben, Latein und Französisch unterwiesen wurde. Sein damaliger Lehrer Eberhard Cnopius beschrieb ihn in einem Brief an seinen Vater als sehr fleißigen und lernwilligen Schüler (welchen dan an Eurer Gnaden Sohn Hans Ludiwichen ... wohl gelungen. Er hat im lesen und schreiben dermaßen zugenommen, daß ... man ihn zu anderen Dingen vorttschreiten magh1). Daraufhin schickte ihn sein Vater nach Sedan, wo er am 7.6.1604 eintraf. An der dortigen Akademie studierte er zusammen mit Schülern wie dem späteren Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz. Die Akademie stand ganz unter dem Einfluss des christlichen Humanismus, so dass die Vermittlung christlicher Grundsätze in Verbindung mit romanisch-hellenistischen Gedankengut den Lehrplan bestimmte. Das Besondere an der dortigen Ausbildung war die Tatsache, dass sich die Schüler mit Werken sowohl kalvinistischer als auch lutherischer und sogar katholischer Autoren auseinandersetzen mussten. Im Zuge der Auseinadersetzungen zwischen dem Henri de la Tour d´Auvergne, Herzog von Bouillon und Heinrich IV. von Frankreich musste Johann Ludwig die Stadt am 12.2.1606 fluchtartig verlassen. Er reiste in Begleitung seines Hofmeisters Chastillon und seines Präzeptors Sprenger nach Genf, wo er am 7.4.1606 eintraf. Dort beendete der junge Graf seine Studien und reiste am 29.4.1607 ab. Auf seiner darauf folgenden Grande Tour reiste er durch Südfrankreich und traf am 4.7.1607 in Paris ein. Während seines neunmonatigen Aufenthaltes wurde er durch den Herzog von Bouillon am Hofe Heinrichs IV. vorgestellt, wobei der König einen bleibenden Eindruck beim jungen Nassauer hinterlassen haben muss. Von Paris aus reiste er über Calais und Dover nach London weiter, wo er für Moritz von Oranien den Hosenbandorden erhielt. Über Kassel reiste Graf Johann Ludwig schließlich nach Dillenburg zurück, wo er am 13.5.1608 eintraf. In den folgenden Jahren entwickelte er bei diversen Gelegenheiten gute Kontakte zu König Christian von Dänemark, dem Kurfürsten von Brandenburg und Landgraf Moritz von Hessen.

Bereits während seines Studiums in Genf starb Johann VI. von Nassau-Dillenburg und nach einer kurzen gemeinsamen Regierung teilten die Söhne das Herrschaftsgebiet untereinander auf. Im Teilungsvertrag vom 31.3.1607 erhielt Johann Ludwig Hadamar, Ellar, die Esterau und je ¼ der Orte Camberg, Altweilnau und Kirberg. Bis 1612 führten die Grafen von Sayn und Solms als Vormünder die Regierungsgeschäfte. Noch 1613 erwarb Ernst Casimir von Nassau-Dietz im Namen seines Bruders die Herrschaft Altweilnau von Nassau-Wiesbaden, welche Johann Ludwig 1631 im Tausch für ¼ der Esterau an Nassau-Saarbrücken abtrat. Die erste selbstständige Regierungsmaßnahme stellte ab 1614 der Um- bzw. Ausbau des Hadamarer Stadtschlosses dar, der bis zum Umzug der Familie im Jahre 1620 abgeschlossen war. Die unter Johann Ludwig errichteten Bauten wie der Neumarkt oder das 1652 errichtete Jesuitenkolleg prägen noch heute das Stadtbild. Neben der Erweiterung des Stadtgebietes vergrößerte der Graf gleichzeitig sein Herrschaftsgebiet, indem er 1636 das Amt Merenberg von Nassau-Saarbrücken erwarb, 1637 die nassau-saarbrückischen Ämter Usingen, Burgschwalbach und Nassau unter seine Kontrolle bringen und im gleichen das Kirchspiel Seck den Grafen von Leiningen-Westerburg abkaufen konnte. Der Ausbau der Grafschaft wurde 1643 durch den Kauf des Kirchspiels Neunkirchen aus dem Besitz derer von Nassau-Weilburg, 1644 durch den Erwerb des Kirchspiels Willmenrod aus dem Besitz der von Leiningen-Westerburg und 1649 durch die Verpfändung Obertiefenbachs durch Wied-Runkel an Nassau-Hadamar abgerundet. Obwohl Johann Ludwig 1648 das Amt Merenberg wieder an Nassau-Saarbrücken abgeben musste und 1643 die Esterau an Graf Peter Melander von Holzappel verkaufte, konnte er die als Pfand gestellten Dörfer Stöcken, Hölzenhausen, Niederahlbach und Dapperich auslösen sowie eine ansehnliche Zahl, in seinem Testament sind 189 Positionen aufgezählt, an Höfen, Mühlen und Grundstücken erwerben.

Außer dem Ausbau der Grafschaft verfolgte Johann Ludwig von Nassau-Hadamar eine dauerhafte Verbesserung der Seelsorge und Schulbildung für seine Untertanen. Zu diesem Zweck förderte er ab 1637 die Ansiedelung der Franziskaner ab 1648 der Jesuiten in seinem Territorium. Das von ihm gegründete Jesuitenkolleg bildete den Grundstein für das heute noch existierende Gymnasium, das seinen Namen trägt.

Neben den Aufgaben als Landesherr betätigte sich der Graf sehr erfolgreich als Unterhändler und Gesandter, eine Funktion, die er schon während des Niederländischen Unabhängigkeitskampfes 1610 ausgeübt hatte. Im Jahre 1628 verhandelte im Auftrag seiner Brüder mit dem Kaiser in Wien, um einen Gerichtsprozess gegen die Nassauer abzuwenden. Die Nassauer hatten zum einen die Niederlande gegen die Spanier massiv unterstützt und andererseits 1618 für Friedrich V. von der Pfalz Partei ergriffen, weswegen der Kaiser nun eine Anklage anstrebte. Nach erfolgreichen Verhandlungen konvertierte der Kalvinist Johann Ludwig zum Katholizismus. Es ist zu vermuten, dass er dabei die Lehren aus der erfolgreichen Politik Heinrichs IV. von Frankreich, der ebenfalls zum Katholizismus übertrat, im Hinterkopf hatte. Während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden fungierte der Graf zuerst als Stellvertreter des kaiserlichen Generalbevollmächtigten Graf Maximilian von Trautmannsdorf bevor er 1643 selbst die Stellung einnahm. Aus Dank für die bei den Verhandlungen geleisteten Dienste erhielt Johann Ludwig von Nassau-Hadamar als erster Nassauer überhaupt 1650 die Fürstenwürde von Kaiser Ferdinand III. verliehen.

Fürst Johann Ludwig von Nassau-Hadamar starb nach 46 Jahren Regentschaft am 6.3.1653 in Hadamar.

Oliver Teufer


  1. Siehe HStAW Abt. 171, Nr. Z 2953, f. 6r.
Zitierweise
„Nassau-Hadamar, Johann Ludwig Fürst von“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/102837422> (Stand: 6.3.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde