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Der zerstörte Bürgerbräukeller in München nach dem Attentat Johann Georg Elsers, November 1939

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Der Widerstandskämpfer und Attentäter Johann Georg Elser (1903-1945)

Stimmungen im katholischen Klerus zum Elser-Attentat auf Hitler, 22. November 1939

Das Reichssicherheitshauptamt beschreibt in seinem geheimen Bericht zur innenpolitischen Lage vom 22. November 1939 die allgemeine Reaktion der Bevölkerung auf das versuchte Attentat Johann Georg Elsers auf Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 19391und insbesondere die Haltung des katholischen Klerus. Die Kirche habe sich bisher gegenüber dem Attentat auffallend passiv gezeigt, würde sich jedoch jetzt zunehmend zu einer ablehnenden Stellungnahme gegenüber dem Münchener Attentat bequemen. Die offiziell bekanntgegebenen Hintergründe des Attentats würden jedoch im katholischen Klerus erheblich in Zweifel gezogen. Dies gehe zum Beispiel aus einem Bericht aus zuverlässiger Quelle über eine Priesterzusammenkunft in Fulda hervor:
Der größte Teil der anwesenden Geistlichkeit hielt die Berichterstattung des Straßburger Senders für wahr, wonach das Attentat im Bürgerbräukeller durch Parteikreise hervorgerufen worden sei. U.a. wurde auf die auffallende Tatsache hingewiesen, daß angeblich der Stellvertreter des Führers2erst 2 Minuten vor dem Attentats [!] den Bürgerbräukeller verließ. Den Grund des Attentats sehen die Geistlichen darin, daß durch diesen Anschlag die deutsche Bevölkerung spontan für einen Angriff gegen England gewonnen werden sollte. Verschiedene Geistliche meinten, daß der Tod des Führers jetzt noch verfrüht sei, da er sonst ein Märtyrer des Volkes geworden wäre.
(OV)


  1. Der aus Württemberg stammende Schreiner und Widerstandskämpfer Johann Georg Elser (1903-1945) verübte am 8. November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Adolf Hitler und weitere führende NSDAP-Größen. Hitler entging dem Attentat, weil er unvorhergesehener Weise die Versammlung 13 Minuten früher verließ als geplant. Elser wurde an der Schweizer Grenze gefasst und bis kurz vor Kriegsende als Sonderhäftling Adolf Hitlers im KZ Dachau inhaftiert, wo er am 9. April 1945 auf Anweisung Heinrich Himmlers ermordet wurde. Siehe Wikipedia, Artikel Georg Elser
  2. Stellvertreter des Führers war seit 1933 Rudolf Heß (1884-1987).
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Stimmungen im katholischen Klerus zum Elser-Attentat auf Hitler, 22. November 1939“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4662> (Stand: 16.8.2017)
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