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Zeitgeschichte in Hessen - Daten · Fakten · Hintergründe

Großherzog Ernst Ludwig bei Weihnachtsfeier der Handwerksburschen in Darmstadt, 5. Dezember 1903

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen (1868-1937) nimmt in Darmstadt in der Herberge zur Heimat an einer Weihnachtsfeier der Handwerksburschen teil. Das Gesellen- und Wanderheim gewährt zu dieser Zeit 89 Männern Obdach. Die nicht nur in Darmstadt, sondern auch in zahlreichen anderen Städten und Gemeinden eingerichteten "Herbergen zur Heimat" entstanden seit der ersten Hälfte der 1850er-Jahre auf Anregung des deutschen Theologen und Begründers der "Inneren Mission" der Evangelischen Kirche Johann Hinrich Wichern (1808–1881). Die Herbergen, die wandernden Gesellen eine günstige Unterkunft bieten, heißen jeden "ordentlichen Durchreisenden" willkommen, drohen ihren Gästen bei unerwünschtem Verhalten aber auch mit klar formulierten Konsequenzen:

"Wer sich dagegen bettelnd umhertreibt, und nicht ernstlich Arbeit sucht; wer als Einheimischer oder Fremder hier oder in der Nähe sich längere Zeit aufhält, ohne eine richtige Schlafstelle und Beschäftigung nachweisen zu können; wer nur müßigem Zeitvertreib nachgeht, andere belästigt, oder zu Bettel, Arbeitsscheu und Liederlichkeit verführen will, oder wer der nachstehenden Hausordnung sich nicht fügt, ist auszuweisen. Entfernt sich ein Gast trotz erhaltener Aufforderung nicht oder betritt er die Herberge, wenn ihm der Zutritt vom Hausvater verboten ist, so macht er sich des Hausfriedensbruchs schuldig."1

Die Herbergen zur Heimat stehen zum Teil unter katholischer Leitung und in Verbindung zu den Gesellenvereinen oder unter Obhut des 1886 gegründeten Deutschen Herbergsvereins. Die Gesamtzahl der in Deutschland existierenden Einrichtungen dieser Art bezifferte sich 1902 auf 462 Herbergen zur Heimat sowie 280 Verpflegungsstationen mit etwa 19.000 Betten. Zusätzlich bestanden zu diesem Zeitpunkt 31 Herbergen zur Heimat im Ausland, ein Großteil davon in der Schweiz.
(OV/KU)


  1. Muster-Hausordnung der Herbergen zur Heimat aus dem Jahr 1899, abgedruckt in: Der Wanderer. Zeitschrift für die gesamte Wanderfürsorge, hrsg. vom Deutschen Herbergsverein in Verbindung mit dem Zentralvorstand Deutscher Arbeiterkolonien und dem Gesamtverbande Deutscher Verpflegungsstationen 16 (1899), hier zit. n.: Spankeren, Reinhard van: Von der Barmherzigkeit zum Recht. Die Diakonie, das Grundgesetz und die Rechte der Hilfsbedürftigen, in: HeBIS Günter Brakelmann u.a. (Hrsg.), Auf dem Weg zum Grundgesetz. Beiträge zum Verfassungsverständnis des neuzeitlichen Protestantismus (Entwürfe zur christlichen Gesellschaftswissenschaft; 10), Münster 1999, S. 247-257, hier: S. 251 f.
Belege
Weiterführende Informationen
  • HeBIS Karl Johannes Lemmermann, Kirchliche Wandererfürsorge. Ein Beitrag zu der Arbeit der Inneren Mission in den Herbergen zur Heimat, Arbeiterkolonien und Wanderarbeitsstätten (Der evangelische Wohlfahrtsdienst; 8), Berlin 1925.
  • Wikipedia: Herberge (eingesehen am 5.12.2013).
  • Wikipedia: Johann Hinrich Wichern (eingesehen am 5.12.2013)
Hebis-Schlagwort
Wandererfürsorge ; Evangelische Kirche
Empfohlene Zitierweise
„Großherzog Ernst Ludwig bei Weihnachtsfeier der Handwerksburschen in Darmstadt, 5. Dezember 1903“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/2165> (Stand: 16.8.2017)
Ereignisse im November 1903 | Dezember 1903 | Januar 1904
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